Ikonische Ruhe
Der legendäre CH22 im Seesteg Norderney
Als der legendäre dänische Designer Hans J. Wegner den Loungesessel CH22 im Jahr 1950 entwarf, ging es ihm um weit mehr als um Optik. Es ging um das Zusammenspiel von Naturkraft, Zeit und absolutem Purismus. Wegner wollte dem Handwerk dabei eine sichtbare Form geben: klar in der Konstruktion, zurückhaltend im Ausdruck und bis ins kleinste Detail durchdacht. Getragen von der Überzeugung, dass wahrer Luxus im Unverfälschten und in ehrlichen Materialien liegt, hat das Designteam um Jens Brune dieses ikonische Möbelstück bewusst ausgewählt, um im Interieur vom Hotel Seesteg der Natur den Raum zu geben, den sie verdient.

Geformt, um dem Sturm zu trotzen
Die markante, geschwungene Rückenlehne aus massivem Holz sieht elegant aus, ist aber so konstruiert, dass sie extremen Kräften standhält. Die sichtbaren Holzkeile an den Beinen sind keine Dekoration, sondern meisterhafte Steckverbindungen, die ohne eine einzige Schraube auskommen.
Geflecht der Geduld
Die Sitzfläche besteht aus über 120 Metern reiner Papierkordel. Ein einziger Handwerksmeister bei Carl Hansen & Søn benötigt über eine Stunde konzentrierter Arbeit, um dieses komplexe „Umschlag-Geflecht“ von Hand zu weben. Es ist ein Rhythmus, der fast an das gleichmäßige Flechten von Strandkörben oder das Knüpfen von Fischernetzen erinnert.

Ein Comeback wie Ebbe und Flut
Wie der ehemalige „Seestegschuppen“ nach seiner ursprünglichen Nutzung als Winterlager für die Holzbohlen der Norderneyer Seebrücke, verschwand auch der CH22 für lange Jahre von der Bildfläche. Der CH22 galt als zu komplex, zu aufwendig in der Herstellung. Im Jahr 2016 holte Carl Hansen die Original-Konstruktionszeichnungen aus den Archiven und erweckte die Ikone zu neuem Leben, die bis heute Maßstäbe setzt.
Wahre Werte vergehen nicht; in einer Gegenwart aus stetigen Bildern und Nachrichten entfaltet das Beständige seine besondere Kraft.