Love from the Start: Ein Gespräch mit Blank & Jones über Norderney, guten Kaffee & den Soundtrack für den perfekten Tag am Meer.
Piet Blank, Jaspa Jones und Andy Kaufhold gehören als Blank & Jones seit vielen Jahren zu den erfolgreichsten Produzenten elektronischer Musik Deutschlands. Mit ihrer Musik, die von sanften Chill-Out-Klängen bis hin zu Dance Music reicht, haben sie mehrere Silberne und Goldene Schallplatten bekommen und sind immer wieder mit ihren Alben ganz oben in den Elektro-Charts vertreten. Vor vielen Jahren haben sie sich in Norderney verliebt und neben New York, Ibiza und Tokyo dann auch die Milchbar Norderney zu ihrem Hotspot auserwählt. 2020 haben sie sich dann entschieden, nicht mehr live aufzulegen, um sich künftig mehr ihrem Privatleben widmen zu können. Sie bleiben der Insel aber nach wie vor eng verbunden; so bringen sie jedes Jahr die exklusive Milchbar Seaside Season heraus und kuratieren sämtliche Musik in den Brune-Häusern.
PM: Vermisst Ihr Norderney?
B&J: Wir sind tatsächlich nach wie vor privat das ganze Jahr immer wieder auf Norderney, weil uns die Insel einfach inspiriert. Wenn wir früher zu unseren Gigs kamen, hatten wir natürlich am wenigsten Zeit für uns oder die Insel. Auch heute sprechen uns die Leute natürlich überall an, egal ob wir im Inselloft frühstücken oder uns in der Bäckerei ein Stück Kuchen holen. Das ist aber schön, weil wir ja sonst wenig Feedback direkt von den Menschen haben und man tauscht sich sehr nett aus, man kommt ins Gespräch und das genießen wir sehr.
Im Herbst genießen wir die Insel natürlich ganz anders. Dann laufen wir stundenlang an den Stränden entlang – eine riesige Inspirationsquelle. Aber auch kulinarisch hat sich so viel getan auf der Insel, sodass man hier vieles entdecken kann.
PM: Habt Ihr einen Tipp, wo Norderney-Reisende unbedingt hin gehen sollten?
B&J: Eine fantastische Location ist für uns definitiv das Coffeehuus im Haus am Meer am Kaiserpfad schräg gegenüber von der Milchbar. Für uns ist so ein Kaffee einfach ein Genuss, worauf man sich den ganzen Tag freuen kann. Und so ist es für uns ein absolutes Highlight, dass der selbst geröstete Kaffee aus dem Inselloft hier in einer schönen Siebträgermaschine von Marzocco gebrüht wird – einer der besten Kaffeemaschinen aktuell. Für uns die Milchbar natürlich der „Leuchtturm“, zu dem wir immer zurückkehren, wo wir immer wieder Inspiration finden, aber zu sehen, was sich Drumherum entwickelt, das ist auch spannend und das Coffeehuus wird definitiv eine Bereicherung sein und für uns der neue Hotspot dieses Sommers.
PM: …Urban Coffee Culture im Reich der Teetrinker…?
B&J: Also es geht ja auch nichts über einen tollen Ostfriesentee, wenn man von einem langen Spaziergang am Strand durchgefroren reinkommt und sich aus dem Ölzeug schält und dann so einen heißen Tee trinkt… aber das ist ja gerade das Schöne: es ist ja nicht ein entweder/oder, sondern man kann sich frei entscheiden und hat Optionen. Und das muss ich sagen – das hat sich in den letzten Jahren auf Norderney wirklich toll entwickelt. Es gibt hier so viele kleine Start-Ups von inspirierten Menschen mit tollen Visionen. Die den Schritt gewagt haben, auf der Insel etwas anzubieten – seien es Klamotten, Kulinarisches, Events… und deswegen gibt es heute eine Vielfalt hier und das macht ja auch den Charme gerade dieser Insel aus.
PM: Vor 15 Jahren war das noch anders?
B&J: Ach ja, natürlich. Wenn wir da jemandem erzählt haben, dass wir was in der Milchbar auf Norderney machen haben uns die Leute angeguckt, als wären wir ein bisschen verrückt. Damals stand auf unserem Kalender New York, Chicago, L.A. mit Direktflug nach Ibiza, um danach in Australien weiterzutouren. Als wir gesagt haben, dass wir uns übrigens eine Compilation für die „Milchbar“ auf Norderney machen, war die Reaktion eher so „Ist das Euer Ernst?“. Aber das war wieder eine Bauchentscheidung; weil wir sofort das Gefühl hatten, als wir Jens und Marc Brune kennengelernt haben, dass wir auf einer Wellenlänge sind. Wir haben sofort verstanden, was die für eine Vision haben.. das ist ja keine Pommesbude, wo es einen schönen Blick aufs Meer gibt, sondern das ist ja alles durchdacht, das ganze Design, die Architektur, der Blick, die Fenster, das ist ja wirklich ein großes Ganzes. Und wir haben sofort gemerkt, dass wir dort mit unserer Musik super hinpassen und deswegen haben wir da gar nicht lange nachgedacht, sondern einfach gemacht, egal, ob es „Tastemaker“ gab, die ungläubig geguckt haben. Und die Menschen, die dabei waren, haben sofort gespürt, dass das einfach wie die Faust aufs Auge passt: Das ist genau das, was wir wollen, wenn wir in der Milchbar sind oder umgekehrt, wenn wir diese Musik hören, träumen wir von einem Ort wie der Milchbar. Es war immer so eine gegenseitige Bereicherung und Inspiration, die sich jetzt über die Jahre weiter getragen hat. Auch wenn das nächste Mal wieder da sind, dann tauschen wir uns mit den Menschen vor Ort aus, mit den anderen Gästen und der Familie Brune über Ideen und Visionen, und auch das fließt wieder in unsere Musik ein. Wir bleiben nicht stehen – und das ist das Schöne.
„Wir haben den Anspruch, die Leute von der ersten Sekunde bis zur letzten Sekunde mit auf eine Reise zu nehmen, mit zu einem Tag an der Milchbar.”
PM: Mögt Ihr uns noch was zur aktuellen Seaside Season CD erzählen?
B&J: Der erste Song auf der CD ist immer ein Song, der für uns das Entrée zur Milchbar ist, wirklich purer Milchbar Sound, der dort mental entstanden ist. Dieses Mal ist es „Island Morning“, eine Hommage an diese ganz besonderen Momente frühmorgens im Sommer, wenn das Meer noch ruhig und pastellig ist und ein sorgloser Strandtag mit Deinen Liebsten am vor Dir liegt… Der letzte Song auf der aktuellen CD ist dieses Jahr ein Song mit einem sehr guten Freund aus Münster, den auch eine große Liebe zu Norderney seit vielen Jahren verbindet, Jan Löchel. Der Song heißt „April (Norderney Revisit)“; ein Song, den wir vor Jahren gemeinsam aufgenommen haben und der schönerweise zu einer Hymne von Norderney-Fans geworden ist und dem wir mit der aktuellen CD nochmal einen kleinen neuen Twist gegeben haben.
PM: Es tauchen bei Euch auf den Seaside Seasons auch viele eher unbekannte Namen auf..
B&J: Ja, genau, das ist auch unser Konzept. Bei der Milchbar Compilation ging es nie darum, eine Hit Compilation wie eine Bravo Hits zu machen, sondern uns ging es immer darum, dass der Soundtrack zu dem Erlebnis vor Ort passt. Wir haben schon viele Tracks im letzten Moment weggelassen weil sie im Gesamt-Klangbild nicht passten. Wir haben den Anspruch, die Leute von der ersten Sekunde bis zur letzten Sekunde mit auf eine Reise zu nehmen, mit zu einem Tag an der Milchbar. Deswegen machen wir in Zeiten vom Streaming gerade auch immer noch eine CD. Wobei es uns am Ende des Tages egal ist, wie unsere Musik gehört wird – Hauptsache, unsere Musik gelangt zu den Leuten. Es ist das größte Kompliment für uns, wenn Du sagst, dass die Musiker Dir unbekannt sind, weil wir ja wollen, dass es Musik ist, die du zum ersten Mal hörst, sie dann im besten Fall mit den schönen Momenten auf Norderney verbindest und so für immer in Deinem Kopf abspeicherst. Deswegen ist es uns auch egal, ob das große Namen sind oder total unbekannte oder aus welchem Genre sie kommen. Das macht für uns die Magie aus – dass es keine Regeln gibt, es muss einfach musikalisch in die Milchbar-Reise passen.
Die aktuelle Milchbar Seaside Season CD gibt es im Brune Design Shop auf Norderney oder online: